Fernsehen als Marketingplattform

Bei münchen.tv steht man nicht so auf Transparenz – eher auf dem Schlauch. Das zeigt ein am 04. Juni 2017 ausgestrahltes Uber-Porträt.

Münchens lokaler Fernsehkanal bezeichnet sich selbst als „Ihr Partner für regionales TV-Marketing“. Man müsse sich nur noch „über die ideale Werbeform“ für sein Produkt, Dienstleistung oder Unternehmen informieren, um seine Kunden zu erreichen. Und wer auf münchen.tv wirbt, hat eine „technische Reichweite“ von 3,5 Millionen potenziellen Zuschauern, so der Lokalsender. Da kann der kalifornische Konzern Uber, der in den letzten Jahren konstante Nettoverluste von mehreren Hundert Millionen Dollar (alleine im Jahr 2016 waren es 2,8 Milliarden) etwas Unterstützung für seine Münchner Abteilung bestimmt gut gebrauchen, dachte man sich wohl beim Münchner Lokalfernsehen und wiederholte am 04. Juni 2017 eine Sendung, die im März 2016 erstmals ausgestrahlt wurde.

Dass es sich bei Uber aber um einen Konzern handelt, dessen Geschäftsmodell auf Missachtung nationaler Gesetzte beruht(e) hat münchen.tv Chefredakteur Jörg van Hooven bei seinem Geplauder mit keinem Wort erwähnt. Vielleicht wusste er aber auch gar nichts von der Problematik um Uber, spricht er doch von „Uber-Taxis“ während Christoph Weigler – im Beitrag noch als Uber-Chef für München tituliert, mittlerweile aber für Uber-Deutschland verantwortlich ist – penibel darauf achtet, ausschließlich von Mietwagenunternehmern zu reden. Man möchte nun ja vollständig gesetzeskonform operieren, seit man 2015 mit uberX startete, der Vermittlung an „voll lizenzierte Mietwagenunternehmer“.

Dass 2015 UberPop verboren wurde und in Berlin auch der uberX sehr ähnliche Dienst UberBlack, geht im Beitrag völlig unter. Wenigstens hat man kurz die Rückkehrpflicht für Mietwagen erwähnt, wenngleich der in der Sendung gerufene Mietwagen um die Ecke stand.

Was bleibt, ist die Frage, weshalb man dann am 04. Juni 2017 noch eine Wiederholung der Sendung brachte. Und wie kam man auf die Idee, Uber vorzustellen, nachdem das Unternehmen so lange illegal unterwegs war?

Chefredakteur van Hooven schweigt. Zu diesen Fragen wollte van Hooven auf zweimaliges Nachfragen keine Auskunft erteilen. Dafür kam von Uber eine Antwort: Die Initiative für den Beitrag über Uber-München ging vom Sender aus, gezahlt wurde dafür aber nichts, teilt Uber mit.

Am Ende bleibt festzuhalten, dass man bei münchen.tv zwar nicht viel von unangenehmen Fragen hält, man das „Beförderungsunternehmen“ vom inzwischen geschassten Uber-Gründer Travis Kalanick aber gerne unkritisch vorstellt, da es „vor allem gegenüber der Taxi-Lobby einen schwierigen Stand hat“. Mit dieser Einschätzung dürfte münchen.tv dann doch richtig liegen, wie die Unternehmenszahlen und Gerichtsurteile zeigen.