Ausgetauscht: Wenn Klatten und Quandt sagen …

Ist das »manager magazin« nun schon ein Satire-Magazin? Facility-, Familien- oder sonstige Manager möchte man ja sicherlich nicht ansprechen, auch wenn Susanne Klatten und Stefan Quant das im Titel eines Interviews mit dem Magazin andeuten. Die beiden Geschwister und BMW-Erben zählen jedenfalls zu den reichsten Deutschen und benötigen doch bestimmt gestandene Manager für ihr Vermögen. Oder meistern die beiden das womöglich auch noch ganz alleine? Während laut Oxfam-Studie »Public Good or Private Wealth« die 26 reichsten Milliardäre genauso viel besitzen, wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung (rund 3,8 Milliarden Menschen!) und auch in Deutschland, Platz 48 von 53 untersuchten Ländern, ein starkes Gefälle zwischen Arm und Reich herrscht, am stärksten soll es in den USA sein, hier einige Auszüge des gemütlich-seichten Plausches in der ganz eigenen »BMW-Welt«:

manager magazin: Frau Klatten, Herr Quandt, Sie werden in diesem Jahr in die Hall of Fame des manager magazins aufgenommen, eine Initiative gegen Mutlosigkeit und Mittelmaß. Was verbinden Sie mit diesen Begriffen?

Susanne Klatten: Zunächst einmal: Das ist eine ehrenwerte Auszeichnung, (…) mein Wirken als Unternehmerin und Aktionärin fördert Selbstbestimmung und Selbstverantwortung. Ich versuche, Menschen Mut zu machen.

Stefan Quandt: Mutlosigkeit symbolisiert Passivität. (…) Angesichts der vielfältigen Herausforderungen in Wirtschaft und Gesellschaft muss man sich aus einem solchen Stadium unbedingt herausarbeiten.

manager magazin: Passivität kann man Ihnen nicht gerade vorwerfen. Sie managen und mehren einen Industriebesitz von zusammen rund 30 Milliarden Euro, zu dem unterschiedlichste Unternehmungen gehören. Wie steuern Sie Ihre Beteiligungen?

Klatten: (…) zunächst einmal managt jeder von uns selbst seine eigenen Industriebeteiligungen. (…) Als Aufsichtsrat sind wir Sparringspartner, wir beraten, um Entscheidungen gut vorzubereiten. Als Aufsichtsräte wie als Aktionäre ist uns wichtig, dass die Geschäfte im Interesse des Unternehmens und der Mitarbeiter gut geführt werden. (…) Aber allein der Vorstand führt die Geschäfte.

Quandt: Keiner von uns versucht, am Vorstand vorbei ins Unternehmen hineinzuregieren. Klar, ich mache auch Werksbesuche oder lasse mich als Aufsichtsrat über Sonderthemen informieren. Ich rufe aber nicht auf der dritten Ebene an, um den Vorstand mit Detailwissen in Verlegenheit zu bringen. Das gehört zu einem respektvollen Umgang. Ich lebe das Prinzip der langen Leine und habe den Eindruck, dass meine Schwester dies ähnlich sieht.

Manager Magazin: Ist die Leine für den Vorstand bei BMW, Ihrer mit Abstand bedeutendsten Beteiligung, besonders lang?

Quandt: Ich denke ja, (…)

Klatten: (…) wir als Aktionäre ermöglichen Ruhe und den langfristigen Blick. Unabhängig von BMW ist mein persönlicher Anspruch, ständig zu prüfen, ob man noch der beste Eigentümer ist. Der nicht nur dummes Geld mitbringt, sondern Mehrwert schafft, im gemeinsamen Vorgehen mit dem Management.

Und so weiter und so fort.

Wer bei diesen aufblasenden und hochtragenden Worten, die ein Dabeisein, Zuhören und Besuchen, im Glanz von ehrlicher und verantwortungsvoller Arbeit erscheinen lassen sollen, nicht automatisch an Schweißperlen der Anstrengung – etwa durch die ständige Prüfung, ob man noch der beste EIGENTÜMER ist, wegen der vielen WERKSBESUCHE und der Unterrichtung zu Sonderthemen – oder an die Last der Verantwortung (für andere Menschen!) – trifft der Vorstand, der die Geschäfte ja ALLEINE führt, auch wirklich die richtige Entscheidung? – denken muss, der bekommt noch einen aus der BMW-Blase:

Susanne Klatten und Stefan Quant fragen im Titel des Interviews:

»Wer würde denn mit uns tauschen wollen?«

Hier die Antwort, ihr fernab lebenden … (das spare ich mir an dieser Stelle), denn mit 30 Milliarden Euro lassen sich nicht nur Existenzängste ein für alle Mal entledigen und maßvoller Wohlstand über Generationen sichern, sondern darüber hinaus auch so einige hungernde Mäuler stopfen oder sonst noch jede Menge dorthin bringen, wo es dringend gebraucht wird:

»99% würden mit euch tauschen wollen!«

Und solche Menschen gelten als – und da bekommt der Begriff »Eliten« doch eine ganz andere Bedeutung – als sogenannte Eliten, die mit ihren »elitären Gesinnungsgenossen« das sagen im Land und auf der ganzen Welt haben. Na Hauptsache die beiden wurden recht ordentlich in Szene gerückt. Wo findet man hier bloß den Ausgang, wo ist die Insel, wo bleibt die Revolution?

Und hier geht es zum Dokumentarfilm »Das Schweigen der Quandts«, der vom Aufstieg und Vermögen der Familie durch Rüstung, Krieg und Ausbeutung mit den Nazis und in der Zeit danach zeugt.