Kubas Hilfe für die Opfer von Tschernobyl

Seit dem Unfall im Kernkraftwerk von Tschernobyl im Jahr 1986 haben kubanische Ärzte in einem Kinderhilfsprojekt über 26.000 Opfer der Nuklearkatastrophe behandelt. Dies berichtet die kubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina unter Berufung auf eine in der wissenschaftlichen Datenbank SciELO veröffentlichte Studie. Nach Angaben des am 1. August veröffentlichten Berichts kamen dabei rund 84 Prozent der behandelten Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine sowie aus Russland und Weißrussland.

Das Hilfsprogramm startete im Jahr 1990, nur ein Jahr später wurden mit 1.415 Patienten bereits die meisten Patienten behandelt. Alleine in den ersten fünf Jahren des Programms wurden jährlich über 1.000 Kinder kostenlos therapiert. Die meisten der jungen Patienten waren zwischen zehn und 14 Jahre alt.

Die kubanische Regierung rief das Programm ins Leben, um besonders einkommensschwachen Familien, die sich eine Therapie in ihrer Heimat nicht leisten konnten, zu unterstützen. Ziel war es, eine spezialisierte Behandlung gegen die Spätfolgen des nuklearen Unfalls in einem adäquaten Umfeld mit einem Heilungsplan zur Rehabilitation sowie ganzheitlichen Maßnahmen zur Genesung der Patienten zu ermöglichen. Speziell wurden Beschwerden des zentralen Nervensystems, des Sehvermögens oder des Verdauungstrakts behandelt.

Zentrum der Hilfsmaßnahme war ein speziell für Strahlenopfer entwickeltes Kinderlager am Strand von Tarará, östlich der kubanischen Hauptstadt Havanna. Zu den Einrichtungen des Projekts gehörten unter anderem Wohnhäuser für die Kinder, zwei Krankenhäuser, eine stomatologische Klinik, ein Kochzentrum, ein Theater, Schulen, Parks und Erholungsgebiete, darunter zwei Kilometer Strand. Auch auf der Halbinsel Krim wurde im Rahmen des Projekts eine medizinische Einrichtung betrieben, in der eine medizinische Brigade aus Kuba zwischen 1989 und dem Jahr 2011 jährlich rund 6.000 Patienten versorgten.

Das Projekt hat Erkenntnisse und Daten über die Auswirkung von Strahlung auf den menschlichen Körper gewonnen. Häufige Erkrankungen sind dabei unter anderem Leukämie, Schilddrüsenkrebs, Haarausfall, Muskelschwund oder neurologische Beeinträchtigungen.

Kuba war eines der ersten Länder, die sich um die Opfer der Atomkatastrophe von Tschernobyl kümmerten. Das Programm wurde im Jahr 2011 beendet und war ursprünglich an die Sowjetunion gerichtet. Wegen der positiven Ergebnisse wurde das Projekt auf Bitte der Ukraine reaktiviert.

amerika21

Gut 3.800 Studierende aus dem Ausland beenden Medizinstudium in Kuba

In Kuba haben nach Angaben lokaler Medien 3.819 Mediziner aus mehreren Ländern ihr Studium an der Universität von Santiago de Cuba abgeschlossen. Damit avanciert die zweitgrößte Stadt des sozialistischen Karibikstaates zu einem weiteren wichtigen Standort zur Ausbildung von Ärzten aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Der größte entsprechende Ausbildungsort bleibt die Lateinamerikanische Medizinschule (ELAM) nahe der Hauptstadt Havanna.

Die meisten Studenten in Santiago de Cuba, insgesamt 94, kamen dabei aus Angola, gefolgt von Haiti mit 28 Absolventen, hieß es in einem Bericht der kubanischen Nachrichtenagentur Prensa Latina. Neben Ärzten wurden auch Krankenschwestern und medizintechnisches Personal ausgebildet.

Im sozialistischen Kuba wird jedem Bürger eine medizinische Versorgung garantiert, so Prensa Latina. Die Behandlung sei für jeden Kubaner grundsätzlich kostenlos. Der karibische Inselstaat ist für seine gute medizinische Versorgung bekannt und zeichnet sich neben der Vorsorge und Ausbildung an medizinischem Personal etwa durch seine hohe Ärztedichte aus. Kuba entsendete in den letzten Jahren weltweit zahlreiche Mediziner anstelle von Soldaten in Krisengebiete, in Westafrika zum Beispiel weit mehr als viele reiche Industriestaaten. Laut der in London erscheinenden Tageszeitung Times stellte Kuba dort „mehr Ärzte als Großbritannien und Australien zusammen“.

Nach Angaben des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) entspricht die Qualität an kinder- und mutterfreundlichen Krankenhäusern auf der Insel weltweit höchsten Standards. Die UN-Kinderrechtskonvention ist nach Ansicht von José Juan Ortiz Brú, dem UNICEF-Vertreter für Kuba, dort am besten umgesetzt. Gab es vor der Revolution im Jahr 1959 noch rund 6.000 Ärzte auf der Insel, so sollen es heute um die 77.000 sein. Hinzu kommen noch Zahnärzte, Pflegepersonal und Medizinstudenten.

Die Universität von Santiago de Cuba, die auch Studenten aus Europa, etwa mit Sommerkursen in verschiedenen Fachrichtungen, offensteht, wurde nach der Revolution als Erste außerhalb der Hauptstadt Havanna gegründet und kann bisher auf knapp 41.000 Absolventen verweisen. An der medizinischen Fakultät arbeiten 92 Professoren aus elf verschiedenen Nationen erfolgreich zusammen.

amerika21, Pressenza

Ärzte ohne Grenzen bezeichnen Flüchtlingspolitik der EU als „verheerend“

Wenige Tage vor dem Weltflüchtlingstag hat die internationale Hilfsorganisation die Flüchtlingspolitik der EU verurteilt und Kritik an der Seenotrettung zurückgewiesen.

„Gut ein Jahr nach dem EU-Türkei-Deal kann die wachsende Zahl von Flüchtenden nicht mehr auf die Solidarität der EU und ihrer Mitgliedsstaaten zählen“, so Florian Westphal, Geschäftsführer der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen. Menschen würden ausgesperrt und an der Flucht gehindert, sagte Westphal letzten Mittwoch in Berlin.

Dabei wies er Kritik aus der Bundestagsfraktion von CDU/CSU deutlich zurück. Nach Meinung von Stephan Mayer, innenpolitischer Sprecher von CDU/CSU, würde durch die Seenotrettung im Mittelmeer de facto „ein Shuttle-Service zum italienischen Festland beziehungsweise den italienischen Inseln“ bestehen, weshalb die Schlepper Flüchtlinge absichtlich in seeuntauglichen Booten losschicken würden.

Diese Diskreditierung lebensrettender Hilfe sei inakzeptabel. „Sollen wir die Menschen ertrinken lassen?“, so Westphal, der von der Bundesregierung die Schaffung sicherer und legaler Fluchtwege sowie ein ambitioniertes europäisches Seenotrettungsprogramm fordert. Auch sei es verantwortungslos und menschenverachtend, Geflüchtete zurück in die Hölle der libyschen Internierungslager zu schicken, so der Geschäftsführer der deutschen Sektion.

Für Tausende von Flüchtlingen wurde das Mittelmeer bereits zum Grab. Alleine im Jahr 2016 sollen nach Angabe der Uno mehr als 5000 Flüchtlinge, so viele wie nie zuvor, im Mittelmeer gestorben sein. Nur dank der Arbeit privater und staatlicher Seenotretter sind nicht noch mehr Menschen umgekommen.

Im vergangenen Jahr war die Hilfsorganisation in rund 70 Ländern aktiv. Dabei leistete Ärzte ohne Grenzen in mehr als 40 Ländern Hilfe für geflüchtete Menschen. Die deutsche Sektion der Organisation finanziert sich überwiegend aus privaten Spenden und Zuwendungen und konnte im Jahr 2016 einen Spendenzuwachs von rund 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnen.

NEOPresse, Pressenza

Termin für Kommunalwahlen in Kuba angesetzt

Nach Angaben des kubanischen Staatsrates wird die Wahl zu den Lokalparlamenten in einer ersten Runde für den 22. Oktober und in der zweiten Runde für den 29. Oktober dieses Jahres angesetzt. Erhält ein Kandidat in einem Bezirk weniger als 50 Prozent der gültigen abgegebenen Stimmen, so muss er sich eine Woche später in einer Stichwahl dem Zweitplatzierten stellen. Die genauen Termine für die Wahl der Provinzversammlung sowie die landesweiten Wahlen zur Nationalversammlung werden noch festgelegt.

Die Wahlen auf der Karibikinsel finden gemäß der kubanischen Verfassung und dem Wahlgesetz vom 29. Oktober 1992 statt. Die Kandidaten der Kommunalversammlung werden für eine Dauer von zweieinhalb Jahren und für die Provinz- und Nationalversammlung für eine Dauer von fünf Jahren bestimmt.

Es wird erwartet, dass Präsident Raúl Castro sein Amt als Präsident im Februar niederlegt, er aber weiterhin erster Sekretär der Kommunistischen Partei Kubas (PCC) bleiben wird.

Die Kandidatenaufstellung findet auf kommunaler Ebene in mehreren Volksversammlungen statt, in denen die Bürgerinnen und Bürger aus ihren Reihen die Kandidaten aufstellen, wobei sich die PCC laut Wahlgesetz nicht an der Auswahl der Kandidaten beteiligen oder selbst kandidieren darf. 50 Prozent der Kandidaten der National- und Provinzversammlungen werden von den Munizipalparlamenten vorgeschlagen, jeder der Kandidaten muss mindestens die Hälfte der Stimmen der anwesenden Delegierten erhalten, um auf die Liste zu kommen. Die andere Hälfte wird von der nationalen Wahlkommission vorgeschlagen, die aus Vertretern der Massenorganisationen besteht. Um gleiche Voraussetzungen zu schaffen, dürfen die nominierten Kandidaten keinen Wahlkampf betreiben, stattdessen wird ihre Kurzbiographie mit Foto öffentlich ausgehängt.

Der Staatsrat in Kuba wird von der Nationalversammlung gewählt und ist dazu autorisiert, die legislative Macht zwischen den Tagungen des Parlaments auszuüben und diese einzuberufen. Die achte Legislaturperiode begann am 24. Februar 2013.

amerika21