Hunting holy Zeus – da geht’s nur zu Fuß rauf! (Teil 1)

Eine kurze Geschichte über den Trip einer Handvoll Freunde zur Residenz der zwölf Götter des Olymps

Es begann in München und hätte dort auch um ein Haar geendet, bevor es überhaupt so richtig losging. Kaum machen wir die Haustüre auf, um die wenigen Meter zur S-Bahnstation an der Donnersberger Brücke zu laufen, beginnt es wie aus Eimern zu schütten. Mein erste Gedanke: »Mist«. Und: »Typisch«. Die S-Bahn zum Flughafen wartet ja nicht, nur weil wir trocken einsteigen wollen.

Kurz vor Sturzflug

»Was sollen wir jetzt machen«, frage ich Darko in der Tür stehend und leicht angepisst. Er schaut mich an: »Ich habe keine Ahnung.« Obwohl wir unsere schweren Bergstiefel anhaben, bis zum Anschlag gepackte Rucksäcke auf unseren Schultern und Trolleys in den Händen tragen, schlage ich vor, zu rennen. »Okay «, meint Darko. Kurz danach bin ich voraus.

Die ersten Meter ging es ganz gut, doch dann kommt mir mein Trolley bei Höchstgeschwindigkeit irgendwie in die Quere und ich gerate stark ins Straucheln. Keine 20 Meter war ich unterwegs. Unsere komplette Expedition auf den Olymp gerät gerade in Gefahr. Eine falsche Bewegung und ich schlage gleich mit Knien, Händen und womöglich auch noch mit dem Kinn auf dem nassen Asphalt auf. Ich stoße das Ding mit einer reflexartigen Bewegung von mir und konzentriere mich komplett auf die Rückeroberung meines Gleichgewichts; voll beladen und unter Dauerbeschuss von Regentropfen. »Oida« geht’s mir durch den Kopf. Darko zieht an mir vorbei. Er bleibt erst an einem Hauseingang in der Donnersbergerstraße stehen. Ab jetzt ist mir egal, ob ich nass werde.

»Fast hätte es dich zerlegt«, grinst er. Ich muss kurz verschnaufen: »Aber nur fast.« Wir finden das lustig und laufen langsam weiter. Außerdem sind wir eh schon nass, ich jedenfalls. Es ging zu schnell von null auf hundert. Wir hüpfen die letzten Meter dann noch von Hauseingang zu Hauseingang, von Vordach zu Vordach, quetschen uns an Wiesn-Besuchern vorbei und stellen uns in eine total überfüllte S1 zum Münchner Flughafen.

So ein Vollkoffer

In den letzten Tagen haben wir uns darüber unterhalten, wie lange, breit und schwer Trolleys sein können, um noch als Handgepäck durchzugehen. Aber mein kleiner Freund ist ein ganz besonderer Spaßvogel. Nach Angaben der Fluglinie darf jeder Trolley nicht über acht Kilogramm wiegen. Natürlich wogen unsere nach Darkos Heimwaage mehr. Ich weiß auch nicht, warum wir noch zum Schalter gegangen sind, eingecheckt hatten wir ja schon online. Jedenfalls meinte die Dame dort, dass wir jetzt rasch zum Gate sollten. Unser Gepäck interessierte sie nicht. Wir waren auch schon wieder weg, als sich Darko nach ein paar Metern umdreht: »Ja wollen Sie die Trolleys denn nicht wiegen?«. Ich dachte, ich höre nicht richtig. Die Dame winkte aber ab: »Nein, nein. Ich glaube Ihnen schon. Brillenträger sind ehrlich.«

Wir sind wegen ein paar falscher Auskünfte dann noch zu Gates nach Marseille und Warschau gelaufen. Kurz darauf konnten wir unsere bis auf den letzten Platz belegte Maschine nach Thessaloniki aber doch noch rechtzeitig betreten und flogen in die Dunkelheit. Und in zwei Tagen wollen wir mit unseren Freunden aus Athen und Wien also auf dem Gipfel des Olymps stehen.

Batman lebt

Auf dem Flug haben wir ein kleines Ratespielchen gemacht. Einer denkt an eine reale oder erfundene Person, und der andere muss mit einem Dutzend Fragen herauszufinden, wer gesucht ist. Schon klar, dass es gleich in der ersten Runde zu einem Missverständnis zwischen kam. Während ich fand, dass Batman keine Person sei, meinte Darko, der Fledermausmann wäre ja auch von echten Schauspielern dargestellt worden. Ich habe ihm Batman geschenkt. Als wir landen, liege ich mit 5:2 hinten.

Eine Stunde vor uns ist Stefan aus Wien gelandet. Wir sind fast die gleiche Runde, wie bei unserer letzten Bergtour im Lungau. Er wartet am Flughafenimbiss »Everest« auf uns. Alle anderen Läden am Flughafen haben zu dieser Zeit schon zu. Es war auch nicht ganz leicht die Autovermietung zu finden, obwohl der Flughafen zur späten Stunde überschaubar leer war. Aber schließlich fand der Mitarbeiter der Autovermietung uns.

Dann ging es mit dem Leihwagen, einem kleinen weißen Franzosen, noch etwas über 100 Kilometer durch die Nacht von Makedonien bis nach Katerini, wo wir Dino und Jorgo – sie sind am Nachmittag mit dem Bus aus Athen gekommen – am Haus ihrer Mutter treffen. Im Auto haben Darko und ich weitergespielt. Als wir gegen Mitternacht ankommen, liege ich noch einen Punkt hinten.

Vor Mamas Haus, mitten auf der Straße, umarmen wir uns. Nach einem kleinen Nachtmahl im Zentrum von Katerini ziehen wir weiter nach Litochoro, dem Ausgangspunkt unserer Tour. Dino hat dort etwas gebucht. Allerdings haben wir keine Ahnung, ob wir zu so später Stunde noch eingelassen werden. Wir kommen gegen zwei Uhr an. Die Vermieterin ist noch wach, sie fängt uns am Ende der Hauptstraße ab.

Litochoro bei Kaffee und Verplanung

Jorgo weckt mich früh, so gegen acht Uhr, auf. Er hat Geräusche gemacht, kann nicht länger, wie er meint. Laut Plan wollen wir morgen früh zum Sitz der Götter aufbrechen. Was mit Beginn des Frühstücks folgen soll, ist allerdings ein Durcheinander von Planungen, Befragungen und Mutmaßungen. Mir dreht sich schon bei dem Gedanken, eine Zusammenfassung unserer zahlreichen theoretischen Szenarien, Vorschläge und Diskussionen einer Olymp-Besteigung inklusive einer bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht genauer festgelegten Übernachtung auf dem Berg, wiederzugeben, der Kopf. Ich bemühe mich und versuche es trotzdem:

Wir sitzen also bei Sonnenschein und entspannter Musik in dieser kleinen Kaffee-Oase neben einem ausgetrockneten Flussbett am Rande von Litochoro bei Frappé und Cappuccino. Stefan ist an diesem Morgen angeschlagen, leicht erkältet. Er weiß nicht, ob, wie und wenn ja, wie weit er mitkommen kann, wenn er sich am nächsten Tag nicht besser fühlt. Er hat ein Zelt dabei und Dino ein zweites, ein Drei-Mann-Zelt, wie er sagt. Oben, auf der Hochebene, soll es zwei Hütten geben. Eine andere liegt weiter unten, auf dem Weg über die Ostkante zu jener Hochebene der Musen. Es sind keine typischen Hütten wie in den Alpen. Die Griechen nennen die Unterkünfte »Refuge«.

Ob die Unterkünfte zu dieser Zeit noch offen haben, wir dort Verpflegung bekommen und schlafen können, das wissen wir nicht. Es ist Anfang Oktober und die Saison geht in der Regel von Juni bis Ende September. Jorgo hat auch etwas von einer Höhle auf dem Weg zum Gipfel erzählt. Dort könnten wir angeblich auch schlafen. Fest steht nur, dass wir uns bisher, und das bleibt bis kurz vor Abmarsch so, ständig uneins sind, ob wir im Zelt, in der Höhle oder wenn möglich auf einer der Hütten schlafen sollen und können. Wir beschließen, uns im Ort weiter zu erkundigen. Aber zunächst machen wir einen Abstecher ans Meer.

Leider hat sich die Sonne schneller verabschiedet, als wir den nächstbesten Strand erreichen können. Es wird nichts mit ein paar Stunden im Sand liegen. Die Badehosen haben wir umsonst eingepackt.

Wir fahren weiter in den Hafen, gehen Essen, spazieren durch Katerini und kehren schließlich nach Litochoro zurück, um uns wegen der weiteren Routenplanung zu erkundigen. Allerdings sind wir nicht sicher, ob wir am nächsten Morgen auch wirklich loskönnen. Morgen soll es den ganzen Tag regnen, meint unsere Vermieterin. Mehr als einen Tag Verspätung können sich Darko und ich aber nicht leisten, unser Rückflug ist für Montag am Abend gebucht. Auch die andere haben Tickets für Montag. Und heute ist Donnerstag.

Die Tschechin

Jorgo und Darko haben im Ort ein kleines Bergsteigergeschäft gefunden. Wir brauchen noch eine Isomatte. Die Inhaberin, eine perfekt griechisch sprechende Tschechin im besten Alter, meint, die Hütten am Berg hätten auf. Sie rät uns, in der unteren Hütte, der Petrostrouga-Hütte auf knapp 2.000 Metern zu übernachten.

Sollten wir außer Wasser, Schlafsäcken und Ausrüstung noch die Zelte schleppen oder besser gleich fragen, ob dort noch Plätze frei wären? Wir sind uns aber nicht sicher, ob wir es dann am nächsten Tag bis auf den höchsten Gipfel, den Mytikas mit 2.918 Metern und wieder runter bis zum Parkplatz nach Gortsia schaffen. Und wo liegt die Höhle? Von der unteren Hütte soll es jedenfalls noch ein ordentlicher Marsch bis zum Mytikas sein. Alleine von der Hochebene auf 2.700 Metern sind es einfach rund zweieinhalb Stunden bis zum höchsten Punkt des Olymps und ein Tagesmarsch zurück. Wir bitten die Tschechin, zu reservieren. Sicher ist sicher und stornieren können wir ja noch.

Monika, so heißt die Ladenbesitzerin, wie Jorgo herausfand, ruft auf der Hütte an. Ja, es ist noch was frei. Sie bucht. Ach, und wenn wir wirklich bis auf den Mytikas wollen, dann bräuchten wir Helme, wegen der Steinschläge, sagt Monika. Sie hätte auch welche zu verkaufen. Na ja, im Ort sind uns zwar ein paar Wanderer und Kletterer begegnet, Helme sind uns aber keine aufgefallen. Wir fragen lieber noch etwas herum, bevor wir einkaufen, vielleicht will sie uns ihr Zeug auch nur andrehen. Unsere Vermieterin meint später jedenfalls, dass wir es an einem Tag nicht schaffen würden, wenn wir in der unteren Hütte übernachten. Also stellen wir unsere Planung wieder infrage.

Es ist jetzt schon Abend und der Ort leer. Wir gehen in eine Bar. Außer uns und den drei Typen am Tresen ist hier niemand. Wir bestellen und bekommen vom Barkeeper mit den Getränken gleich weitere Informationen über den Olymp geliefert. Sicher könnten wir auf der Hochebene zelten. Er war erst vor ein paar Tagen dort. Dann zückt er sein Smartphone und zeigt uns Fotos. Es liegt noch kein Schnee und Zelte wären zwischen den beiden Hütten auch aufgebaut. Außerdem gibt es dort Verpflegung. Die beiden Unterkünfte wären aber voll. Von Helmen sagt er nichts. Er sieht uns an und meint, dass wir das alles in der von uns geplanten Zeit schaffen würden.

It never rains in southern-makedonia

Am nächsten Morgen regnet es wie erwartet. Und Stefan fühlt sich auch nicht besser als der Himmel. Ich stehe auf unserer kleinen Terrasse und drehe mich zum Thron von Zeus: »So was«, vor lauter Wolken, Nebel und Regen sehe ich nichts von den Bergen. Die Sicht reicht gerade bis zum nahen Ortsende am Hang. Wir überlegen, ob wir starten, falls es rechtzeitig aufhören sollte. Auf nassen Steinen rutscht man aber auch leicht ab, und wie steil und gefährlich es da oben ist, das wissen wir ja noch gar nicht. Was wir wissen: Auf dem Olymp gibt es immer wieder tödliche Unfälle.

In den nächsten Stunden hat es nicht aufgehört zu pinkeln und unnötiges Risiko wollen wir ja auch keines eingehen. Okay, dann müssen wir eben morgen, am Samstag früh starten. Wir beschließen, uns den restlichen Tag die Gumpen am Ortsende von Litochoro anzusehen und danach zum Essen nach Pandeleimonas zu fahren. Ich war vor sieben Jahren mit Dino in dem Ort und habe damals einen Artikel über das Kleinod am Fuße des Olymps geschrieben. Ich habe den Eindruck, dass sich seither nichts in dem Nest verändert hat. Wir suchen uns also eine nette Taverne mit Blick über die Küste und lassen ordentlich auftischen. Nach dem Essen haben wir Darko, er war kurz auf der Toilette, alleine zurückgelassen. Ich liebe solche Spielchen. Er ist alleine los und hat uns dann in einen Hinterhalt gelockt, um uns zu erschrecken. Nicht schlecht.

Auf dem Rückweg beschließen wir, spätestens um zehn Uhr vom Parkplatz Gortsia zu starten. Zehn Uhr ist früh genug für uns. Stefan, falls er sich nicht besser fühlt, sollte nur bis zur gebuchten Unterkunft mitkommen. Wir würden dann ohne ihn weitergehen und oben zelten. Am nächsten Tag könnten wir auf den Mytikas klettern und ihn am Rückweg auf der Hochebene treffen, um dann vereint abzusteigen. So weit, so gut. Wir packen unsere Sachen.

Schnell verduften

 Der Wecker klingelt pünktlich, nachdem Jorgo und ich wach geworden sind. Draußen Sonnenschein. Ich eile unter die Dusche. Die anderen sind mir schon voraus und beladen das Auto. Stefan bleibt ganz unten. Er will uns wenigstens beim Abstieg entgegenkommen. Dann stehen Dino und Darko im Zimmer. Dino meint, es gäbe ein kleines Problemchen mit der Vermieterin. Der Preis pro Nacht und Person sei doppelt so hoch wie gedacht. Er hat das am Telefon anders verstanden als sie. Dino ist in solchen Sachen kein Meister des Aufstands. Jorgo hätte uns für das gleiche Geld ein Haus mit Pool mieten können. Wir legen fest, dass Dino das nächste Mal nicht mehr buchen darf. Ich trinke noch in Ruhe einen Kaffee und lasse die Jungs warten. »Flooo, spinnst du«, höre ich sie, halb entsetzt, halb amüsiert. Es ist genau zehn Uhr, als wir abfahren. Wir besorgen uns noch ein paar Liter Wasser und nichts weiter, da es auf den Hütten ja Verpflegung geben soll. Ein kleiner Fehler.

Der kleine Parkplatz von Gortsia liegt auf rund 1.100 Metern. Wir stellen den Franzosen zwischen anderen Autos am Rand einer schmalen Zufahrt ab und satteln auf. Es ist genau zehn Uhr und dreißig Minuten, als wir nach rechts auf einen von Mulimist – ob Maulpferd oder Maulesel, dafür fehlt mir das Fingerspitzengefühl – verminten Wanderpfad in den Wald einbiegen. Schon nach wenigen Metern merke ich, dass mich etwas stört. Ich bitte Dino, meinen Schlafsack umzupacken. Aber so herum war auch nicht gut, also quetscht Dino ihn mühsam zurück. Dieses kleine Manöver hat uns Zeit gekostet. Darko und Jorgo sind schon auf und davon. Wir werden die beiden erst in ein bis zwei Stunden wieder einholen.

Höhle, Hütte, Höhe

Wieder vereint, kommen wir an eine Stelle mit einer Steinwand, auf der die griechische Fahne abgebildet ist. Jorgo meint, dass es laut Beschilderung zur ersten Hütte zwar weiter geradeaus gehen würde, er hier aber einen Abstecher zu »seiner Höhle« machen möchte. Es wären nur zehn Minuten. Nun kennen wir Jorgo und seine zehn Minuten. Trotzdem gehen wir mit. Wir drohen aber, nach genau zehn Minuten umzukehren, sollte die Höhle dann nicht auftauchen.

Die Höhle, ach was, jener erbärmliche Felsvorsprung, taucht auf die Minute genau auf. Hier soll vor über hundert Jahren ein griechischer Maler gewohnt haben. Was auf dieser kleinen Gedenktafel neben dem Vorsprung steht, kann ich aber weder lesen noch interessiert es mich in diesem Moment. Wir schauen uns kurz um, eine kleine Pause, brechen noch einen Nussriegel und gehen zurück auf den Weg.

Nach einiger Zeit erreichen wir die Petrostrouga-Hütte. Eigentlich sollten wir hier ja übernachten. Nun ist aber nicht einmal Stefan dabei. Wir bestellen zwei Kaffee und zwei Tee und beratschlagen, wie wir dem lispelnden Hüttenwirt mit der großen Zahnlücke und den langen schwarzen Haaren, die zu einem Zopf zusammengebunden sind, klarmachen, dass wir die von Monika, der Tschechin aus Litochoro, gebuchte Truppe sind, die jetzt doch weiter auf die Hochebene zieht. Jorgo redet mit ihm. Dann ruft der Wirt Monika an, die wegen unseres Durchmarschs etwas verärgert ist. Wir zahlen eine kleine Entschädigung. Seine Hütte hat der Wirt, wie wir am nächsten Tag erfahren werden, in der Nacht aber trotzdem voll bekommen. Eine größere Gruppe mit US-amerikanischen Schülern und Studenten ist später bei ihm eingekehrt und Jorgo findet die Tschechin nach dem kurzen Telefonat nun auch nicht mehr so toll. Wir ziehen weiter in den Wald.

»Der Weg führt durch Föhren- und Buchenwald bis auf 2000 Meter zum Platz Petrostruga, wo oft Gewitter aufziehen. Danach führt der Weg weiter durch Wald und dann auf alpines Gelände. Vom Gipfel Skurta in 2450 m Höhe bis zu den Hütten führt die schmale Passage Lämos und der verfallene Weg Kangelia, sowie der Weg nach Oropedio. Dies ist eine lange Strecke ohne Wasservorkommnisse mit einem großen Abschnitt in alpiner Zone. Von der Hütte des „Plateaus der Musen“ zu den Gipfelwegen nach Skolio und Sankt Anton, aber auch über die schwierigen Schluchten nach Stefani und Mytikas führt der Weg von Stefani nach Zonaria durch Steilhänge und Schluchten.«, heißt es im Meinungsmediun Wikipedia über unseren weiteren Weg nach oben.

Ein Muli kommt selten allein

Kaum lassen wir die Baumgrenze hinter uns, taucht der Mulizug, dessen Spuren bisher überall zu sehen waren, zur Versorgung der oberen Hütten in entgegengesetzter Richtung auf. Ich frage mich die restliche Zeit immer, wenn ich über Mulimist hüpfe, wie die schwer beladenen Tiere diese schmalen und steilen Steinwege rauf und runter schaffen. Die kleine Karawane erinnert an unseren Hunger. Wir stellen uns vor, wie es jetzt bei frischem Brot, Feta und Oliven wäre, auf einem großen Stein sitzend, halb Makedonien unter und die Küste vor sich. Ich denke an unsere letzte gemeinsame Tour auf den Preber im Lungau. Da ist uns dieser Fehler nicht unterlaufen.

Es wird windiger und steiniger. Wir kommen an einem Kreuz auf einem Felsvorsprung vorbei. »Hier ist jemand im Schnee erfroren«, meint Jorgo, der immer langsamer wird. Seine Gamaschen hat er ausgezogen. Bei mir geht es. Ich habe meinen Rhythmus längst gefunden. Dino ist wie ein Maultier. Er schleppt schon die ganze Zeit das Drei-Mann-Zelt und redet nicht viel. Auch Darko, der seinen Schnabel eigentlich ständig auf hat, ist leiser – trotzdem hört man hier oben nur uns. Dafür wird die Aussicht immer besser. Im Hintergrund taucht wieder diese Frau mit dem Jungen auf. Weiter hinten noch zwei Männer. »Die lassen sich einfach nicht abschütteln«, denke ich mir und dann bleibt Jorgo auch noch stehen. Er wechselt sein T-Shirt. […]