Mein Bedauern und Rücktritt als Logensekretär

Ehrwürdiger MvSt.:

Liebe Brr.:

in der »Einladung zum BA am 9. September und Wahlvorschlagsliste« steht unter dem dritten Punkt:

»… Dabei gilt aktuell und weiterhin in geschlossenen Räumen die 3G-Regel (Zutritt nur für Geimpfte, Genesene oder Getestete).
Als Verein sind wir verpflichtet, diesen Regelungen Folge zu leisten. Deswegen bitte ich Euch, Eure Ausweise als Geimpfte und Genesene (bitte zunächst als Ausdruck in Papierform für Archivierungszwecke, dann in Digitalform, falls vorhanden) zu allen Treffen der Loge mitzubringen; dies gilt ebenso für die Brr. die sich testen lassen wollen.
Wie alt darf ein Schnelltest sein?
Das negative Testergebnis eines Schnelltests ist für insgesamt 24 Stunden
gültig. Fällt ein Schnelltest positiv aus, sollte das Ergebnis unbedingt
durch einen PCR-Test bestätigt werden.«

Sowie aktualisiert unter »Uhrzeitänderungen bei zwei Samstagsterminen«:

»Nach einem heutigen Gespräch mit den Verantwortlichen der Hausverwaltung im Logenhaus Schwanthalerstr. 60 sind – wie bisher – folgende hygienische Maßnahmen beim Betreten des Logenhauses unbedingt zu berücksichtigen (auch wenn man bereits zwei Mal geimpft worden ist):
1. Beim Betreten des Logenhauses Mundschutz tragen; insbesondere im Aufzug. Hände desinfizieren (Behälter befindet sich links neben der 2. Eingangstür).
2. Im 5. Stockwerk in den großen Gesellschaftsraum gehen bzw. fahren
3. Impfnachweis zeigen
4. Name auf der dort liegenden Liste eintragen
Gleiche Maßnahmen gelten auch beim Besuch des FM-Kollegs.«

Unter diesen diskriminierenden (alle Brüder werden unter einen permanenten Generalverdacht gestellt, es findet eine Umkehr der Beweispflicht statt, da der Gesunde nun für jeden Schritt und Tritt seine »Unschuld« beweisen soll und gesund nicht mehr genug ist), willkürlichen (ausschließlich und trotz anderer sowie größerer Gefahren für die Allgemeinheit nur auf »Corona« bezogen, ein gewisses Risiko gehört zum Leben, andererseits wäre die konsequente Anwendung zur Abwehr sämtlicher Gefahren das Ende des Lebens) und die Grundrechte (hier etwa Artikel 1, Artikel 2, Artikel 8, Artikel 19) missachtenden Umständen sowie einer damit verbundenen Ausweis- und Vermummungspflicht auf unbestimmte Zeit, was im Widerspruch zu freimaurerischen Werten (Menschenliebe, Toleranz und Brüderlichkeit anstatt Misstrauen, Intoleranz und Selektion) steht, werde ich ab sofort vom Besuch unserer Loge ausgeschlossen, da ich weder geimpft noch genesen oder getestet, sondern gesund bin und ich es auch genau dabei belassen werde. Wäre ich krank, so würde ich von einem Logenbesuch ohnehin absehen. Verordnung hin, Verordnung her. Auch die Maurerei wurde schon durch Verordnungen verboten. Und hat sie sich deswegen gehorsam abgeschafft oder selbst ad absurdum geführt?

Die gegen das Grundgesetz, es nennt sich Grundgesetz, da es grundsätzlich immer und für jeden zu gelten hat, verstoßenden Vorgaben für den Eintritt in die Loge entlarven alles bisher Gesagte als Lüge, da jeder Bruder, der in einem anderen Bruder eine Gefahr für seine Gesundheit sieht, mittlerweile durch die für den Notfall zugelassenen Impfungen ja geschützt – so zumindest das offizielle Postulat – ist oder sein kann, was das Ende für sämtliche restriktiven Maßnahmen und die Einstellung aller Logenaktivitäten sein sollte, nun aber auf wundersame Weise keine Rolle mehr spielt. Hier leitet nicht »Weisheit« unsere Arbeit, sondern »Irrsinn«. Nicht »Stärke« führt uns, sondern »Panik«. Nicht »Schönheit« vollendet unser Werk, sondern »Unordnung«. Wer sich trotz Impfung, Mundschutz, Handschuhen, Gesichtsvisier, Kübeln von Desinfektionsmitteln und Abständen, was einem jedem Bruder als individuelle Schutzmaßnahme frei zusteht, trotzdem noch vor anderen Brüdern fürchtet, kann nach seinem freien Willen abwägen und in letzter Konsequenz von einem Logenbesuch absehen, anstatt Freiheitsrechte zu beschneiden, hier konkret durch den Ausschluss anderer Brüder aus der Loge. Es heißt zwar »Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität«, doch nichts davon hat offenbar Gewicht.

Um es also möglichst kurz zu halten: Unter diesen Umständen wird mir als »freier Mann von gutem Ruf« und Bruder sowie anderen Brüdern unserer ehrwürdigen Bauhütte ein »Eintritt« zu unserer Loge auf unbestimmte Zeit »nicht [mehr] gestattet«, weshalb es für mich unmöglich ist, weiterhin für das Amt des Sekretärs zur Verfügung zu stehen, da dieses Amt, so wie die Maurerei in ihrer Fülle untrennbar mit persönlichem Kontakt, etwa in den Beamtenratssitzungen oder den Tempelarbeiten verbunden ist. Persönlicher Kontakt ist und bleibt die Grundlage humanistischen Handelns und sozial. Eine Verlegung freimaurerischer Arbeiten auf Videokonferenzen ist zwar ein gut gemeinter Versuch, nur eine Notlösung und unpersönlich, aber letztlich nichts weiter als eine Satire, Parodie oder eben Persiflage und Karikatur der Freimaurerei. Und zum Hampelmann vor einer Linse unter möglicher Beobachtung Profaner mache ich mich nur äußerst ungern oder eben gar nicht.

Mit dem ausdrücklichen Wunsch einer weiteren Diskussion oder Anrufen hierüber entgehen zu wollen, da die freimaurerischen Werte im Umgang unter Brüdern bei diesem schon zum Dogma erklärten Thema leider nichts als Schall und Rauch sind und auch in den Logen eine religiös-hysterische Stimmung herrscht sowie Vernunft und Verhältnismäßigkeit in weiter Ferne liegen, übermittle ich meine herzlichsten und brüderlichen Grüße, bringe mein Bedauern über diese Fehlentwicklung zum Ausdruck und hoffe, dass dieser Irrweg möglichst schnell ein Ende nimmt, damit wir uns in alter Freiheit, Solidarität und hoffentlich toleranter Gesinnung wieder in der Loge treffen können. Daran glauben kann ich aber nicht.

Euer Br.:

Flo Osrainik