Offener Brief an die Mitglieder der Europäischen Rundfunkunion in Deutschland

Am 18. Mai 2019 findet der 64. Eurovision Song Contest, kurz ESC, in Tel Aviv statt. Während die USA mit ihren einseitigen Sanktionsorgien gegen alle vorgehen, die ihren imperialen Bestrebungen im Wege stehen, sei an einen offenen Brief vom Februar zum Übertragungsboykott des schon längst lächerlichen und politisch instrumentalisierten ESC-Tralalas in Israel erinnert. Hier der Brief:

An die ARD (Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland einschließlich Deutschlandradio und Deutsche Welle) sowie an das ZDF (Zweites Deutsches Fernsehen)

Eurovision 2019: Nicht in einem Apartheidstaat! Nicht in Israel!

Im Mai 2019 soll der Eurovisionswettbewerb in Tel Aviv, Israel, stattfinden.

Israel hat im Juli 2018 ein Gesetz verabschiedet, das als »Gesetz des Nationalstaates des jüdischen Volkes«[1] bekannt ist. Dieses Gesetz, das Verfassungsrang hat, gewährt Israelis nicht die gleichen Rechte, je nachdem ob sie jüdisch oder nicht-jüdisch sind. Neben der Kolonialisierung, der Besetzung palästinensischen Landes und den Massakern in Gaza, hat Israel nun Apartheid [2] unter seiner eigenen Bevölkerung offiziell festgesetzt.

Wir fordern daher Liedermacher*innen und Musiker*innen auf, 2019 den Wettbewerb in Israel zu boykottieren, so wie sie einst das Apartheid-Regime in Südafrika boykottiert haben.

Wir fordern die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, Mitglieder der Europäischen Rundfunkunion, auf, sich aus dem Eurovision Song Contest 2019, der von Israel ausgerichtet wird, zurückzuziehen. Sie müßten sich sonst den Vorwurf gefallen lassen, sich bewusst an Israels anhaltenden Verletzungen internationalen Rechts und der universellen Prinzipien der Menschenrechte zu beteiligen.

Wir unterstützen die vielen prominenten Künstler*innen [3], darunter auch frühere ESC-Teilnehmer*innen, die den Aufruf palästinensischer Künstler*innen und Journalist*innen [4], der Eurovision 2019 den Rücken zu kehren, unterstützt haben.

Der Eurovision Song Contest wird von Millionen von Zuschauer*innen im europäischen Rundfunkraum verfolgt. Angesichts des Erstarkens rechter Parteien und Gruppierungen in Deutschland wäre es ein fatales Signal, wenn dieser Wettbewerb in einem Land stattfinden würde, in dem qua Gesetz die eigene nicht-jüdische Bevölkerung aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit diskriminiert und ausgegrenzt wird. [5]

Die Europäische Rundfunkunion (EBU) fordert, dass Israel für die Eurovision 2019 einen Standort finden muss, der »nicht spaltet«. Die Europäische Rundfunkunion und Mitglieder europaweit sollten die Durchführung des Wettbewerbs durch Israel ganz absagen und ihn in ein anderes Land mit einer besseren Menschenrechtsbilanz verlegen. Ungerechtigkeit spaltet, während das Streben nach Würde und Menschenrechten vereint.

Diese Kampagne ist Teil der weltweiten Kampagne [6] gegen die Durchführung der Eurovision 2019 in Israel, die bereits von zahlreichen Kulturschaffenden weltweit unterstützt wird.

Verweise:

[1] Grundgesetz: Israel – Nationalstaat des jüdischen Volkes  https://www.swp-berlin.org/fileadmin/contents/products/sonstiges/2018A50_Anhang_IsraelNationalstaatsgesetz.pdf, abgerufen am 12.02.2019

[2] Israeli Practices towards the Palestinian People and the Question of Apartheid https://electronicintifada.net/sites/default/files/2017-03/un_apartheid_report_15_march_english_final_.pdf , abgerufen am 12.02.2019

[3] Boycott Eurovision Song Contest hosted by Israel  https://www.theguardian.com/tv-and-radio/2018/sep/07/boycott-eurovision-song-contest-hosted-by-israel, abgerufen am 12.02.2019

[4] Palestinian artists and broadcast journalists: „Boycott Eurovision 2019!“ https://bdsmovement.net/news/palestinian-artists-and-broadcast-journalists-boycott-eurovision-2019, abgerufen am 12.02.2019

[5] Daniel Barenboim, Ich schäme mich heute, Israeli zu sein https://www.zeit.de/2018/31/nationalitaetsgesetz-israel-daniel-barenboim, abgerufen am 12.02.2019

[6] Global campaign – Boycott Eurovision 2019 https://bdsmovement.net/boycott-eurovision-2019, abgerufen am 12.02.2019