Mieser Stil im DLF: Hallo Herr Heinemann!

Anfang Mai wurde im Deutschlandfunk ein Interview von Christoph Heinemann mit Andrej Hunko über Venezuela veröffentlicht. Scharfmacher Heinemann schießt dabei, wohl ideologisch aufgeladen, wild um sich, womit der Propagandist aber auch voll auf Linie des medialen Mainstreams liegt. Nun gehört Heinemann hier inhaltlich gewiss zurechtgestutzt, genauso unterhaltsam könnte es aber auch sein, ihn selbst mit seinem miserablen Interviewstil zu konfrontieren, wenn es etwa um die Bewegung der Gelbwesten in Frankreich oder den »Großen Marsch der Rückkehr« in Gaza geht. Und zwar Frage für Frage, denn Heinemann kann ich auch, wie ich mir dachte. Aber dazu kam es nicht. Auf meine – na ja, ein bisschen gonzo war es schon – Presseanfrage vom 10. Mai 2019 gab es, wie zu erwarten war, keine Reaktion. Weder vom Deutschlandfunk, noch von Heinemann, was das Messen mit zweierlei Maß, also die Heuchelei der Öffentlich-Rechtlichen einmal mehr bestätigt. Heinemann scheint sein eigener Interviewstil nicht so zu liegen. Oder lag es an den Themen? Egal. Hier meine Anfrage mit seinen Fragen:

Sehr geehrter Herr Heinemann,

Sie haben im Deutschlandfunk Anfang Mai ein Interview mit Herrn Andrej Hunko über die Ereignisse in Venezuela geführt [1]. Aufgrund der von Ihnen in diesem Interview gestellten Fragen, möchte ich Ihnen als Hörfunkjournalist des Deutschlandfunks die nahezu gleichen Fragen, zu den ebenso aktuellen und brisanten Themen der Gelbwesten in Frankreich oder der alltäglichen Gewalt gegenüber den Palästinensern stellen. Suchen Sie sich gerne eines der beiden Themen aus, entfernen Sie die überflüssigen Fragen oder antworten Sie auch auf alle Fragen. Ihre jeweilige Frage an Herrn Hunko steht zur Erinnerung etwas kleiner vor meinen Fragen zu Frankreich und darunter dann zu Gaza.

O-Ton Christoph Heinemann: »Tränengas und Gummigeschosse bestimmen das Verhältnis zwischen Führung und Volk in Venezuela, junger Leute Antworten auf die sogenannten Sicherheitskräfte mit Steinwürfen. Am Dienstag hatte der selbsternannte Übergangspräsident Juan Guaido das Militär des Landes zum Aufstand gegen Maduro gerufen. Anschließend kam es zu einer Welle von Protesten gegen die Regierung. Ein Großteil der Sicherheitskräfte steht aber weiter zu Maduro. Die Opposition berichtet über zwei Tote. Im Land sorgen die staatlichen Schlägertruppen, die sogenannten Collectivos für Ordnung im Sinne des sozialistischen Regimes.«

Flo Osrainik: Tränengas und Gummigeschosse bestimmen das Verhältnis zwischen Führung und Volk in Frankreich, junger Leute Antworten auf die sogenannten Sicherheitskräfte mit Steinwürfen. Und dabei haben weder die Opposition noch Vertreter der sogenannten Gelbwesten das Militär zum Aufstand gegen Macron aufgerufen. Trotzdem kommt es seit Monaten zu Protesten gegen die Regierung. Ein Großteil der Sicherheitskräfte steht aber weiter zu Macron. Es gab Tote und Tausende Verletzte [2] [3]. Im Land sorgen die staatlichen Schlägertruppen für Ordnung im Sinne des kapitalistischen Regimes.

Flo Osrainik: Luftangriffe und Scharfschützen bestimmen das Verhältnis zwischen Belagerern und Bewohnern von Gaza [4], junger Leute Antworten auf die sogenannten Sicherheitskräfte mit Steinwürfen. Seit Monaten fordern die Menschen beim »Großen Marsch der Rückkehr« ihre Menschenrechte ein. Dabei kam es zu einer Welle von Protesten gegen die Besatzer. Ein Großteil der Sicherheitskräfte befolgt aber weiterhin die Befehle des Regimes zur gezielten Tötung aufbegehrender Demonstranten. Die UNO berichtet von bisher 189 getöteten Palästinensern und 6.100 Verletzten [5]. Im Westjordanland sorgen derweil Siedlermobs und die staatlichen Repressionstruppen, die sogenannten Israel Defence Forces für Ordnung im Sinne des faschistischen Regimes [6].

1) O-Ton Christoph Heinemann: »Wieso lässt Maduro seine Landsleute hungern?«

Flo Osrainik: Wieso lässt Macron seine Landsleute niederknüppeln?

Flo Osrainik: Wieso lässt Netanjahu die Palästinenser entrechten?

2) C.H.: »Welche Fehler der Regierung [Maduro]?«

F.O.: Welche Fehler begeht die Regierung von Macron?

F.O.: Welche Fehler begehen die Besatzer?

3) C.H.: »Herr Hunko, unser Korrespondent und Lateinamerika-Experte Burkhard Birke hat auch Venezuela besucht in den letzten Wochen. Er spricht von „vollständiger Inkompetenz“ von Maduro und seiner Regierung, von Korruption, von Vetternwirtschaft, von einem Regime, das sich die Taschen füllt und dem das Schicksal der eigenen Bevölkerung vollständig gleichgültig ist. Wieso klammern Sie diese Eigenleistungen des Regimes aus?«

F.O.: Herr Heinemann, Kritiker sprechen von »vollständiger Inkompetenz« von Macron und seiner Regierung, von Korruption, von Vetternwirtschaft, von einem Regime, das sich die Taschen füllt und dem das Schicksal der eigenen Bevölkerung vollständig gleichgültig ist [7]. Klammern Sie diese Eigenleistungen des Regimes aus?

F.O.: Herr Heinemann, viele Menschen, auch zahlreiche Juden sprechen von »Apartheid« [8] von Netanjahu und seiner Regierung, von Besatzung, von Enteignung der Palästinenser, von einem Regime, das sich flächenmäßig vergrößern will und dem das Schicksal der ansässigen Bevölkerung vollständig gleichgültig ist [9] [10]. Klammern Sie diese Eigenleistungen des Regimes aus?

4) C.H.: »Die US-Sanktionen richten sich vor allem gegen Mitglieder des Regimes. Ähnliches fordert jetzt auch Bundesaußenminister Heiko Maas. Sollte der Druck auf die Unterdrücker erhöht werden?«

F.O.: Es gibt keine US-Sanktionen gegen Mitglieder des Regimes von Macron. In der Bundesregierung fordert das auch niemand. Sollte der Druck auf die Unterdrücker erhöht werden?

F.O.: Es gibt keine US-Sanktionen gegen Mitglieder des Besatzungs-Regimes Netanjahu. In der Bundesregierung fordert das auch niemand. Sollte der Druck auf die Unterdrücker erhöht werden?

5) C.H.: »Stichwort einseitige Unterstützung. Was haben kubanische sogenannte Sicherheitskräfte und russische Soldaten in Venezuela zu suchen?«

F.O.: Stichwort einseitige Gewaltanwendung. Was haben Schusswaffen der sogenannten französischen Sicherheitskräfte bei Demonstrationen von Franzosen in Frankreich zu suchen [11]?

F.O.: Stichwort einseitige Gewaltanwendung. Was haben sogenannte israelische Sicherheitskräfte in Gaza, im Westjordanland und auf den Golanhöhen zu suchen?

6) C.H.: »Das heißt, Sie möchten, dass das Regime, das die Menschen unterdrückt, sie hungern lässt, dass das stabilisiert wird?«

F.O.: Möchten Sie etwa, dass das Regime, das die demonstrierenden Menschen zu Krüppeln schießen lässt, dass das stabilisiert wird?

F.O.: Möchten Sie etwa, dass das Regime, das die Palästinenser unterdrückt, sie erschießen lässt, dass das stabilisiert wird?

7) C.H.: »Schauen wir uns noch mal die Sanktionen an. Warum sollten die Verantwortlichen für Hunger, Flucht, Folter und Unterdrückung weiter ihre Kreditkarten nutzen können und damit das Geld, das sie ihren Landsleuten gestohlen haben?«

F.O.: Schauen wir uns mögliche Sanktionen an. Warum sollten die Verantwortlichen für Ausbeutung durch prekäre Arbeitsverhältnisse, für Umverteilung von unten nach oben, für völkerrechtswidrige Angriffskriege und Unterdrückung weiter ihre Kreditkarten nutzen können und damit das Geld, das sie anderen Leuten gestohlen haben?

F.O.: Schauen wir uns mögliche Sanktionen an. Warum sollten die Verantwortlichen für Vertreibung, für Enteignung, für völkerrechtswidrige Besatzung, Landnahme und Unterdrückung weiter ihre Kreditkarten nutzen können und damit das Geld, das sie den Palästinensern gestohlen haben? [12] [13]

8) C.H.: »Wie können die Menschen in Venezuela das Regime loswerden?«

F.O.: Wie können die Menschen in Frankreich das Regime loswerden?

F.O.: Wie können die Menschen in Palästina das Besatzung-Regime loswerden?

9) C.H.: »Herr Hunko, Entschuldigung! Warum sind Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner geflohen, aus ihrem Land abgehauen, über die Grenze? Zählen die für Sie nicht?«

F.O.: Herr Heinemann, Entschuldigung! Warum sind Millionen Menschen aus Afrika oder aus arabischen Ländern wie dem Jemen, Syrien, dem Irak oder Afghanistan abgehauen, über die Grenzen? Zählen diese Menschen für Sie nicht?

F.O.: Herr Heinemann, Entschuldigung! Warum sind 700.000 Palästinenser geflohen, aus ihrem Land verjagt worden [14]? Zählen diese Familien für Sie nicht?

10) C.H.: »Wieso haben Sie es in Kauf genommen, dass Sie mit Ihrem Besuch bei Maduro einen Diktator aufgewertet haben?«

F.O.: Nehmen Sie es in Kauf, dass ein Diktator wie Macron medial aufgewertet wird?

F.O.: Nehmen Sie es in Kauf, dass eine Faschist wie Netanjahu medial aufgewertet wird? [15]

11) C.H.: »Hauptsache sozialistisch! – Bewegt sich da die Außenpolitik der Linksfraktion 30 Jahre nach der Wende immer noch auf DDR-Niveau?«

F.O.: Hauptsache kapitalistisch! – Beweget sich da die Außenpolitik deutscher Leitmedien nach der Iraklüge oder dem NSA-Skandal immer noch auf imperialistischem US-Niveau?

F.O.: Hauptsache faschistisch! [16] – Beweget sich da die Außenpolitik deutscher Leitmedien nach der Nakba oder zahlreichen von den UN festgestellten Völkerrechtsverstößen immer noch auf religiös-völkischem-Niveau?

12) C.H.: »Wieso drücken Sie keine Solidarität aus mit hungernden Menschen oder wegen der Mangelwirtschaft oder Mangelversorgung mit sterbenden Kindern?«

F.O.: Wie drückt sich Ihre Solidarität mit zu Krüppeln geschossenen Menschen oder wegen der weiter zunehmenden Vermögensungleichheit oder festgenommener Jugendlicher [17] aus?

F.O.: Wie drückt sich Ihre Solidarität mit den enteigneten oder wegen der Repressionen oder Mangelversorgung, den durch Beschuss sterbenden Kindern und Menschen in Palästina aus? [18]

Quellen:

[1] https://www.deutschlandfunk.de/krise-in-venezuela-maduro-ist-kein-diktator.694.de.html?dram:article_id=447715

[2]http://www.nousnesommespasdupes.fr/

[3]https://www.nachdenkseiten.de/?p=48643

[4]https://www.cafepalestine.ch/index.php/58-dokumente/347-dr-abed-schokry-gaza

[5]https://www.jungewelt.de/artikel/350572.frankreich-und-die-gelbwesten-polizeigewalt-in-frankreich.html

[6]https://www.welt.de/debatte/kommentare/article155815712/Benjamin-Netanjahus-letzte-Maske-ist-gefallen.html

[7]https://deutsch.rt.com/newsticker/85928-un-experten-fordern-von-israel-stopp-der-gewalt-an-gaza-grenze/

[8]https://www.swr.de/swr2/musik/barenboim-sieht-form-der-apartheid/-/id=661124/did=22118182/nid=661124/dv28lk/index.html

[9]https://www.theguardian.com/world/2015/feb/13/cultural-boycott-israel-starts-tomorrow

[10]https://www.theguardian.com/world/2019/apr/14/europe-must-stand-by-the-two-state-solution-for-israel-and-palestine

[11]https://www.welt.de/politik/article189856881/Frankreich-muss-uebermaessige-Polizeigewalt-gegen-Gelbwesten-untersuchen.html

[12]https://www.sueddeutsche.de/news/politik/konflikte-die-un-resolution-2334-gegen-israels-siedlungspolitik-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-161225-99-657673

[13]https://www.zeit.de/politik/ausland/2016-12/israel-westjordanland-botschafter-vereinte-nationen-donald-trump

[14]https://de.wikipedia.org/wiki/Nakba

[15]https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-03/israel-premierminister-benjamin-netanjahu-machtverlust-haftstrafe-gefahr-faschismus

[16]https://deutsch.rt.com/der-nahe-osten/63650-faschistische-gefahr-in-israel-kp/

[17]https://deutsch.rt.com/europa/80581-bilder-wie-vom-is-festnahme-frankreich-gelbwesten/

[18] https://www.cafepalestine.ch/images/cp-pdf/Abed_Schokri_Gaza_am_05_Mai_2019.pdf