Der Ex-Master of the Universe

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Am Sonntagabend war Rainer Voss, ehemaliger Investmentbanker, zu Gast bei Günther Jauch. Voss war von 1986 bis 2008 als Investmentbanker bei verschiedenen Banken, unter anderem bei der Deutschen Bank und der Dresdner Bank, tätig und ist seither Privatier. Die Aussagen von Voss überraschen – nicht zum ersten Mal – für einen Ex-Banker.

Das Thema der Sendung vom 03. Mai 2015: »Deutschlands Löhne – Was ist unsere Arbeit wert?« Für einen ehemals führenden Investmentbanker offenbart Rainer Voss bei Günther Jauch bemerkenswerte Einsichten. So stellt er, angesprochen auf den Konflikt zwischen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und der Deutschen Bahn AG, die Privatisierung der Bahn in Frage, betrachtet die Zahlungen an Investmentbanker als unangemessen hoch, von Verlusten durch Spekulationsgeschäfte nicht zu sprechen, und fordert unter anderem mehr gesellschaftliche Wertschätzung für Tätigkeiten die sich nicht in Renditen, wie jene der Investmentbanker, errechnen lassen. Voss stimmt Gregor Gysi, Die Linke, zu und fragt, wie denn die Rendite einer Erzieherin für die Gesellschaft errechnet werden soll? Die Antwort: Das geht nicht!

Die Rendite, nicht der Sinn, einer Tätigkeit soll ihren Wert, in Form von gesellschaftlicher Anerkennung und Bezahlung, festlegen? Mit einer gerechten und kultivierten Gesellschaft hat das nicht viel zu tun, vielmehr mit einer totalitären Marktgesellschaft. Wie sagte Marcus Tullius Cicero vor über 2000 Jahren: »Keine Staatsform bietet ein Bild hässlicher Entartung, als wenn die Wohlhabenden für die besten gehalten werden.«

Rainer Voss hat sich mit der preisgekrönten Dokumentation »Master of the Universe« von Marc Bauder aus dem Jahr 2013 einen Namen gemacht. Im Alleingang erklärt er in dem Dokumentarfilm seine Sicht der Finanzwelt von innen. Der Film zeichnet ein beunruhigendes Bild einer skrupellosen, »quasi-religiösen« Parallelwelt. Regisseur Marc Bauder war froh, »mit Rainer Voss jemanden gefunden zu haben, der als erster hochrangiger Investmentbanker überhaupt bereit war, sich auf diese Reise« einzulassen. Zum einen hat die Branche aus der Krise nichts gelernt, zum anderen »wird ja trotz der sich ständig wiederholenden Krisen niemals das generelle System infrage gestellt«, so der Regisseur auf die Frage, warum er sich mit dem Thema und Voss auseinandersetzt. Der Film lief unter anderem auf ARD, Arte und ORF.

»Vor 20 Jahren war die Haltedauer einer Aktie im Durchschnitt 4 Jahre und heute sind wir bei 22 Sekunden. Der Sinn eine Unternehmensbeteiligung für 22 Sekunden zu behalten. Also das kann mir keiner erklären«, so 
Rainer Voss.